Bei den Air Guitar World Championships Ende August in Oulu (Finnland) spielen Teilnehmende aus aller Welt Luftgitarre für den Weltfrieden.
Make Air, Not War: Rock 'n' Roll auf unsichtbaren Gitarren
Jedes Jahr im August hallen Jubel und rasante Gitarrensoli durch Oulu im Norden Finnlands, gespielt auf Instrumenten, die es gar nicht gibt. Das sind die Air Guitar World Championships, ein schräges Fest der Bühnenkunst, der Leidenschaft und des Weltfriedens. Teilnehmende aus aller Welt kommen mit ihrer Fantasie und reichlich Attitüde auf die Bühne, um wild zu schrammeln, den Arm wie eine Windmühle kreisen zu lassen und auf den Knien über die Bretter zu rutschen. Die Weltmeisterschaft in Finnland vertritt eine Botschaft und wird von einer Gemeinschaft mit einem Anliegen getragen. Zugleich ist sie ein fröhliches Spektakel, bei dem man auch ohne Instrument zum Rockstar wird. In Oulu verschwimmen Wirklichkeit und Fantasie, und die Luftgitarre wird für das Gemeinwohl genutzt.
Vom lokalen Scherz zur weltweiten Bewegung
Die Geschichte der Air Guitar World Championships beginnt 1996 im Rahmen des Oulu Music Video Festival. Der Musiker Jukka Takalo hatte die Idee, zunächst als lockeres Nebenprogramm, das die Rock-'n'-Roll-Posen aus Musikvideos satirisch aufs Korn nahm. Die Idee kam gut an, und der Wettbewerb entwickelte sich schnell weiter. Aus dem lokalen Scherz wurde bald eine eigenständige Veranstaltung mit internationaler Aufmerksamkeit und einer festen Anhängerschaft.
Den Wendepunkt brachte das Motto, das die Veranstaltung bis heute trägt: „Make Air, Not War“. Dieser einfache Satz machte aus einer Kuriosität eine weltweite Bewegung mit ernstem Anliegen. Die Grundidee der Meisterschaft lautet, dass „Kriege enden, der Klimawandel aufhört und alles Schlechte verschwindet, wenn alle Menschen auf der Welt Luftgitarre spielen“. Diese Botschaft von Frieden und Zusammenhalt kam weltweit an, und in zahlreichen Ländern entstanden nationale Luftgitarren-Meisterschaften. Deren Gewinner reisen nach Oulu, um dort um den Weltmeistertitel zu spielen, und so treffen sich bei der Veranstaltung Teilnehmende aus der ganzen Welt.
Die Kunst der unsichtbaren Gitarre
Der Wettbewerb selbst wird ernst genommen: Es gibt strenge Regeln und eine kritische Jury. Alle Teilnehmenden zeigen zwei Auftritte von je einer Minute. Für den ersten wählen sie einen Song selbst aus und können so ihren persönlichen Stil und ihre Kreativität zeigen. Die zweite Runde ist eine Pflichtrunde, in der sie zu einem Überraschungstitel improvisieren müssen, den die Veranstalter auswählen. Das prüft ihre Spontaneität und ihre Fähigkeit, die Musik ganz aus dem Bauch heraus umzusetzen.
Die Jury bewertet unter anderem technisches Können, Bühnenpräsenz, künstlerischen Eindruck und vor allem die „Airness“. Airness ist die schwer greifbare Eigenschaft, die bloße Nachahmer von echten Luftgitarren-Champions unterscheidet: der Moment, in dem ein Auftritt über die Imitation hinausgeht und zu einem echten Ausdruck des Rock 'n' Roll wird. Kostüme und Requisiten sind erlaubt, echte Musikinstrumente und Begleitbands auf der Bühne dagegen nicht. Im Mittelpunkt stehen allein die Performer und ihr unsichtbares Instrument. Zum Programm gehören die Qualifikationsrunden, in denen die nationalen Champions und die „Dark Horses“ gegeneinander antreten, und das große Finale, in dem der neue Weltmeister gekürt wird.
Bräuche der Air Guitar Nation
Die Air Guitar World Championships haben eigene Bräuche und Traditionen entwickelt. Am wichtigsten ist der gemeinsame Glaube, dass die Luftgitarre die Welt verändern kann. „Make Air, Not War“ ist dabei der Leitgedanke, der jeden Teil der Veranstaltung bestimmt. Der Eintritt ist frei und alle sind willkommen. Das Fest feiert Vielfalt und Individualität.
Auch der Siegerpreis ist ein geschätzter Brauch. Statt eines Preisgelds erhält der Weltmeister eine eigens angefertigte Gitarre vom Typ „Flying Finn“, ein echtes, spielbares Instrument. Sie ist ein Zeichen für den Sieg und die Hingabe an die Kunst der Luftgitarre. Die Meisterschaft ist außerdem Teil der Oulu August Festivals, eines Kultur- und Kunstprogramms, das einen Monat dauert und zur festlichen Stimmung in der ganzen Stadt beiträgt. Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle: Die Veranstaltung trägt das Umweltzertifikat EcoCompass und setzt auf umweltfreundliche Abläufe.
Was Besucher in Oulu erwartet
Ein Besuch der Air Guitar World Championships macht vor allem Spaß. Austragungsort ist Oulu, eine Universitätsstadt an der Küste Nordfinnlands. Die Meisterschaft findet Ende August statt, wenn der finnische Sommer noch in vollem Gang ist und die Abende lang und hell sind.
Die Stimmung ist lebhaft, und das Publikum feuert jeden Auftritt mit Leidenschaft an. Eingefleischte Fans der Luftgitarre lassen sich davon ebenso mitreißen wie neugierige Erstbesucher. Die Auftritte reichen von technisch brillant bis herrlich absurd, doch alle werden mit großem Einsatz vorgetragen.
Oulu selbst ist eine charmante Stadt mit einigem zu bieten. Auf dem Marktplatz ist viel los, mit Essensständen und Kunsthandwerksmärkten. Bekannt ist die Stadt außerdem für ihre Strände und ihr dichtes Netz an Radwegen. Wer die Weltmeisterschaft besucht, erlebt eine ungewöhnliche Kulturveranstaltung und kann dabei sein, wenn eine neue Rock-'n'-Roll-Legende entsteht. Man wird so Teil einer weltweiten Gemeinschaft, die glaubt, dass die Luftgitarre die Welt besser machen kann.
Fazit
Bei den Air Guitar World Championships wird gelacht und gejubelt. Am Ende glaubt man ein Stück mehr an die Kraft des Rock 'n' Roll. Die Meisterschaft feiert Kreativität und die verbindende Wirkung der Musik und zeigt, dass man für einen Auftritt als Rockstar keine echte Gitarre braucht. Aus dem Wettbewerb in Finnland ist eine weltweite Friedensbewegung geworden, die das Leben feiert und zugleich viel Spaß macht. Wer Teil der Air Guitar Nation werden und das Spektakel selbst erleben möchte, findet alles Weitere auf der offiziellen Website der Air Guitar World Championships: airguitarworldchampionships.com (öffnet in neuem Tab).
Feiertage rund um das Festival
Finland: gesetzliche Feiertage und Bankfeiertage von 3 Tagen vor bis 3 Tage nach den voraussichtlichen Terminen ().
Für Geschäfte, Banken und den öffentlichen Verkehr gelten voraussichtlich die üblichen Öffnungs- und Fahrzeiten.
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